Besondere Objektivtypen

Schauen wir nun kurz einige besondere Objektivtypen an, die durch ihren Einsatzzweck und/oder die Bauweise spezifiziert werden. Hier geht es wieder nur um Wechselobjektive.

Makroobjektive

 

Makroobjektive sind in der Regel für Aufnahmen mit Abbildungsmaßstäben bis 1:1 optimiert. Es wird eine Fläche erfasst, die der Sensorgröße entspricht. Einige kommen ohne Hilfsmittel nur bis 1:2 und es wird eine Fläche erfasst, die doppelt so lang und so breit wie der Sensor ist. Die Fläche ist hier also viermal so groß wie der Sensor, aber man hat sich im Zusammenhang mit Abbildungsmaßstäben auf die Angabe der linearen Vergrößerung bzw. Verkleinerung festgelegt. Durch Einsatz eines Zwischenrings kann dann auch mit diesen Objektiven die Abbildung in Lebensgröße erzielt werden.

Tipp

Makroobjektive für Systemkameras gibt es mit unterschiedlichen Brennweiten im Bereich von 50 mm bis etwa 200 mm [@KB]. Für Naturaufnahmen empfehlen sich die Objektive mit längeren Brennweiten. Sie sind bei Tieraufnahmen von Vorteil, da sich die kleinen Modelle nicht gestört fühlen. Generell liegt ihr Vorteil darin, dass der größere Abstand zwischen Frontlinse und Motiv für eine bessere Ausleuchtung sorgt. Je näher man dem Motiv kommt, desto eher fällt der Schatten der Kamera oder der eigene Schatten darauf.

Beim Umgang mit Makroobjektiven gilt es, zu beachten, dass im extremen Nahbereich die Schärfenzone zwar extrem schmal ist, dass es sich aber trotzdem nicht empfiehlt, abzublenden so weit es geht. Bei den sehr kleinen Blenden kommt die Beugungsunschärfe zum Tragen, die dem Gesamteindruck des Bildes abträglich ist. Wenn möglich, sollte ein Stativ zum Einsatz kommen, da schon kleinste Bewegungen während der Aufnahmen gnadenlos vergrößert werden. Einstellschlitten, die bereits im Zusammenhang mit den Superteleobjektiven eine Rolle spielten, können sich hier als sehr nützlich erweisen – etwa dann, wenn eine Sachaufnahme in einem bestimmten Abbildungsmaßstab gemacht werden soll. Mit einem Einstellschlitten ist die Umsetzung der Vorgabe recht bequem: Man stellt das Objektiv auf „manuelles Fokussieren“, wählt den Abbildungsmaßstab anhand der Skala, die auf dem Objektivtubus angebracht ist, und bringt dann das Stativ und die Kamera in etwa in Postition. Anschließend verschiebt man die Kamera auf dem Schlitten vor- oder zurück, bis das Objekt scharf im Sucher oder auf dem Monitor erscheint. Live-View mit einer guten Lupenfunktion ist in diesem Fall sehr hilfreich.

Tipp

Abhilfe bei Problemen mit der Ausleuchtung einer Makroaufnahme schaffen natürlich Ringoder Makroblitzgeräte. Aber schon ein weißes Tuch, eine weiße Pappe oder auch Alufolie helfen, Licht in die Schattenpartien zu reflektieren!

Shiftobjektive

Wenn von Fach- oder Großformatkameras die Rede ist, wird meist die Größe des Aufnahmematerials als großer Vorteil erwähnt. Das ist zwar richtig, aber viele Fotografen sehen in der Verstellbarkeit dieser Kameras deren größten Vorzug. Verstellbar heißt, dass das Objektiv und das Rückteil mit dem Film oder dem großen Sensor nach oben, unten, rechts und links verschoben werden können.

Damit durch das Verschieben die Abbildungsqualität nicht leidet, weisen die Objektive einen gegenüber dem Bildwinkel vergrößerten Bildkreis auf. Durch die Verschiebungen ist es z. B. möglich, stürzende Linien zu vermeiden oder einen Spiegel von vorn ohne perspektivische Verzerrung zu fotografieren, ohne dass die Kamera im Spiegel zu sehen ist. Shiftobjektive übertragen diese Möglichkeiten in kleinerem Maßstab in die Fotografie mit Spiegelreflexkameras. Hier kann allerdings nur das Objektiv, nicht aber die Sensorebene verschoben werden, was aber auch schon große Vorteile bei Architektur- oder Sachaufnahmen bringt.

Tilt/Shift-Objektive

Tilt/Shift-Objektive enstprechen in der Shift- Funktion den Shiftobjektiven. Das heißt, dass man sie nach oben, unten, rechts und links schieben kann. Zusätzlich kann man sie schwenken. Das erinnert erneut an die Arbeit mit Fachkameras – wieder mit der Einschränkung, dass bei der Arbeit mit T/S-Objektiven nur das Objektiv geschwenkt werden kann, während bei Fachkameras Front- und Rückstandarte bewegt werden können.

Die Tilt-Funktion eröffnet den Zugriff auf die „Scheimpflug-Verstellung“, die oft „Schärfendehnung nach Scheimpflug“ genannt wird – was aber falsch ist. Im Normalfall erfasst ein Objektiv eine Ebene scharf, die parallel zur Bildebene (Sensorbzw. Filmebene) angeordnet ist. Durch Abblenden kann man die Schärfenebene zur Schärfenzone erweitern und es werden auch Objekte scharf abgebildet, die vor oder hinter der eigentlichen Schärfenebene liegen. Neigt man ein Shiftobjektiv (bzw. die Frontstandarte einer Fachkamera) so, dass sich Objektebene, Hauptebene des Objektivs und Bildebene in einer Linie schneiden, verlagert sich die Schärfenebene. Im Idealfall wird eine Ebene, die nicht parallel zur Bildebene verläuft von nah bis fern scharf erfasst, ohne dass das Objektiv abgeblendet wird. Das heißt: die Schärfe wird nicht „gedehnt“, sondern die Schärfenebene kann verlagert und an eine Objektebene angepasst werden, die in einem Winkel zur Bildebene verläuft. Abblenden erweitert auch hier die Schärfenebene zur Schärfenzone, kann aber sehr fein dosiert werden. Es ist auf jeden Fall möglich, unterhalb der Grenze zu bleiben, ab der Beugungsunschärfen auftreten.

Schwenkt man das Objektiv entgegengesetzt, kann die Schärfe auf ein sehr schmales Band reduziert werden, was für effektvolle Aufnahmen interessanter ist als Schärfe von vorn bis hinten.

 

Softfokusobjektive

Nicht immer ist perfekte Schärfe das richtige Mittel, um das Bild wirken zu lassen. Bei Porträts, Bildern von Babys, Aktaufnahmen, Blumen- und Landschaftsfotos kann es dem Bild sehr zuträglich sein, wenn es von einer gewissen Weichheit bestimmt wird. Schon einfache Hilfsmittel genügen, um diesen Effekt zu erzielen. Vaseline oder eine andere farblose Creme auf einem billigen UVFilter verreiben, Frontlinse anhauchen oder einen Teil eines Nylonstrumpfes vor das Objektiv spannen – alles führt dazu, dass die Schärfenleistung des Objektivs leidet, was zum angestrebten Effekt führt. Etwas professioneller sind Weichzeichner-Vorsatzlinsen. Konzentrische Kreise oder Noppen sorgen dafür, dass das Bild weich wirkt.

 

Tipp

Wer nach dem Urlaub nach Hause kommt, fragt sich bei manchem Bild, wo es denn wohl entstanden ist. GPS-Daten, die parallel zu den Bildern gespeichert wurden, geben schnell und sicher Antwort auf diese Fragen.

Durch die Zusammenarbeit von CEWE COLOR und locr ist es nun problemlos möglich, diese Daten auch bei der Erstellung eines CeWe Fotobuches zu nutzen und beispielsweise Kartenausschnitte mit eingezeichneten Aufnahmeorten einzubinden. Damit werden die Fotobücher aus Oldenburg noch ein Stück attraktiver.

Wenn die Urlaubsbilder (oder Filme) vorgeführt werden sollen, kann man bei CEWE COLOR passende Einladungskarten von eigenen Fotos machen lassen – aber auch für Einladungen zum Geburtstag, zum gemeinsamen Abendessen oder zur Feier des bestandenen Abiturs.

 

Wer sehr oft auf knackige Schärfe verzichten möchte, findet den richtigen Partner in einem speziellen Weichzeichner-Objektiv. In der Regel handelt es sich um kurze Teleobjektive, die ja sehr gut für Porträts geeignet sind und auch die anderen oben genannten Bereiche gut bedienen. Die leichte, schmeichelnde Unschärfe wird z. B. erzielt, indem die sphärische Aberration gezielt ins Bild geholt wird – ein Abbildungsfehler, der normalerweise möglichst ganz auskorrigiert wird. Je nach Einstellung wird ein scharfes „Kernbild“ von einem mehr oder weniger deutlich unscharfen Bild überlagert.

Zwei Objektive von Nikon lassen sich auch für die Weichzeichnung einsetzen, bieten aber darüber hinaus die Möglichkeit, das Erscheinungsbild der Unschärfe in Vorder- oder Hintergrund („Bokeh“) zu bestimmen.

Leichtes Überbelichten und eine weit offene Blende tun das Ihre, um die Wirkung der verschiedenen Weichzeichner zu unterstützen. Gegebenenfalls kann per Software nachgearbeitet werden.

 

Wussten Sie, ...

... dass Fotografie mit Weichzeichnern in den 70er und Anfang der 80er Jahre sehr großes Interesse fand? David Hamilton (*1933) war mit Büchern und Postkarten, die junge, meist blonde oder rothaarige Mädchen verspielt oder nur spärlich bekleidet zeigten, überaus erfolgreich. Sogar auf Spielfilme wurde die Weichzeichner- Optik übertragen.

 

Wussten Sie, ...

.... dass eines der berühmtesten Weichzeichnerobjektive aus München kam? Beim Rodenstock Imagon konnte die weichzeichnende Wirkung durch einschiebbare Siebblenden mit unterschiedlich großen Löchern gesteuert werden.

 

Spiegelobjektive

Spiegelobjektive sind sehr kurze Objektive mit sehr langer Brennweite. Die kurze Bauweise wird durch einen Trick möglich: Der Strahlengang ist gefaltet. Das Licht fällt durch die ringförmige Frontlinse auf einen ringförmigen Spiegel hinten im Objektiv und wird von dort nach vorn reflektiert. In der Mitte der Frontlinse sitzt ein zweiter, runder Spiegel, der das Licht durch ein Linsensystem in der Mitte des ringförmigen Spiegels in die Bildebene schickt. Der Einsatz der Spiegel hat zudem den Vorteil, dass sie keine chromatische Aberration aufweisen. Wenn der Spiegel auf der Rückseite einer Glasschicht sitzt, kann diese – wie auch die Linsen im System – zur Korrektur anderer Abbildungsfehler herangezogen werden (genau genommen handelt es sich also um „Spiegellinsenobjektive“ oder „katadioptrische Systeme“ – aber die Bezeichnung „Spiegelobjektive“ hat sich durchgesetzt).

Leider gibt es nicht nur Vorteile. So können Spiegelobjektive nicht abgeblendet werden (Ausnahmen bestätigen die Regel, e rechts), da für eine Irisblende kein ordentlicher Platz ist. Die größte Öffnung ist gleichzeitig die einzige Blende, die zur Verfügung steht, und die ist zu allem Überfluss nicht sehr groß. Werte zwischen 5,6 und 8 sind die Regel. Die Belichtungssteuerung erfolgt über die Verschlusszeit und/oder Empfindlichkeit, die lieber etwas höher gewählt werden sollte, um kurze Verschlusszeiten zu sichern. Mit einer Ausnahme (Sony 8/500 mm Reflex) müssen Spiegelobjektive manuell fokussiert werden, was wenig Freude macht, wenn der Reflexsucher auch noch klein ist. Dunkel ist er wegen der geringen Anfangsöffnung des Objektivs ohnehin. Ob sie als Vorteil, Nachteil oder neutral betrachtet werden, hängt vom einzelnen Fotografen ab.

Da sie nicht zu vermeiden sind, sollte man sich aber mit ihnen anfreunden. Die Rede ist von den „Unschärfekringeln“. Punkte außerhalb der Schärfenzone werden von Linsenobjektiven als Scheibchen wiedergegeben, von Spiegelobjektiven als Kringel. Sie fallen besonders auf, wenn Lichtpunkte in der Unschärfe liegen – etwa Reflexe auf Wasser oder kleine Zwischenräume zwischen den Blättern eines Baumes oder Busches.

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