Blitz

Bei der Entscheidung für die eine Kamera oder die andere sollte auch die Ausstattung in Sachen Blitz bedacht werden. Fast alle aktuellen Digitalkameras weisen einen eingebauten Blitz auf. Bei den meisten Kompaktkameras ist er fest eingebaut und der winzige Reflektor hat seinen Platz schräg oberhalb des Objektivs, bei einigen wird er nur bei Bedarf in Position gebracht. Bei den All-in-One-, NGCund D-SLR-Modellen ist er fast immer beweglich gelagert. Er hat seinen Platz im Sucheraufbau und wird bei Bedarf manuell oder automatisch in die Arbeitsposition gebracht.

 

 

Die Ausnahmen, die auf den eingebauten Lichtspender verzichten, sind einige Modelle, die für den (semi-)professionellen Einsatz konzipiert sind. Da diese Kameras im harten Einsatz unter schwierigen Umweltbedingungen bestehen sollen, werden das Scharnier und die Fugen um den Blitz als potenzielle Schwachstellen angesehen. Eine Ausnahme bildet das einzige Profi-Modell aus dem 4/3-Lager, die Olympus E-3. Ihr Blitz soll zum einen sehr stabil sein, die Übergangsstellen zum Gehäuse sind abgedichtet – und die Kamera funktioniert im Fall des Falles auch weiter, wenn der ausgeklappte Blitz abbricht.

 

Die eingebauten Blitze sind zwar eher „schwach auf der Brust“ und weisen Leitzahlen um 12 (m, ISO 100) auf, das reicht aber gut, um Schatten aufzuhellen oder Licht in normal große Wohnräume zu bringen. Abgesehen davon ist ein schwacher Blitz, den man dabei hat, besser als ein leistungsstarkes Gerät, das zu Hause im Schrank liegt.

 

Wir unterbrechen hier kurz die Vorstellung der aktuellen Kameratypen anhand verschiedener Leistungsmerkmale und widmen uns einen Moment der Leitzahl. Die Leitzahl gibt an, wie leistungsstark ein Blitz ist. Man erhält die Leitzahl, wenn man die Entfernung zwischen Blitz und einem von diesem Blitz richtig belichteten Objekt mit der Blendenzahl multipliziert, die bei der Aufnahme eingestellt war. Das klingt kompliziert, aber ein Beispiel macht die Sache schnell klar: Wenn man mit einem Blitz ein Objekt in 5 m Entfernung bei Blende 8 richtig belichten kann, hat der Blitz die Leitzahl 40. Diese Angabe ist so allerdings nicht viel wert, sondern erst, wenn sie konkretisiert und z. B. durch die Angabe (m, ISO 100) ergänzt wird.

 

Wieso das? Weil z. B. ein Amerikaner das oben genannte Beispiel anders rechnen würde. Für ihn ist das bei Blende 8 richtig belichtete Objekt nicht 5 m, sondern 15 feet entfernt – für ihn ergibt sich also eine Leitzahl von 120. Um Missverständnisse zu vermeiden, zeigt bei uns das „m“ in der Klammer an, dass die Leitzahl im metrischen System angesiedelt ist.

 

Auch die Angabe des ISO-Wertes in der Klammer dient der richtigen Einordnung der Leitzahl. Wenn der Sensor lichtempfindlicher ist, reicht die Leistung des Blitzes aus, um ein Motiv in größerer Entfernung auszuleuchten. Wird der ISO-Wert verdoppelt – etwa von ISO 100 auf ISO 200 – verdoppelt sich die Leitzahl aber nicht, sondern sie wird nur um den Faktor C2, also um das rund 1,42-fache größer. Das hängt damit zusammen, dass der Blitz bei einer verdoppelten Empfindlichkeit eine doppelt so große Fläche richtig belichten kann. Die Fläche ist aber schon doppelt so groß, wenn man die Entfernung um den Faktor C2, also um das rund 1,42-fache vergrößert.

 

Will man die Verdoppelung der Empfindlichkeit nicht nutzen, um eine größere Blitzreichweite zu erzielen, sondern um die Schärfenzone zu vergrößern, kann man die Blende um eine Stufe schließen.

 

Machen wir, wie damals in der Schule, die Probe: 5 m x Blende 8 ergibt LZ 40 (m, ISO 100) 5 m x 1,4 x Blende 8 ergibt LZ 56 (m, ISO 200) 5 m x Blende 11 ergibt LZ 55 (m, ISO 200) Stimmt also – die kleine Unstimmigkeit ergibt sich aus Rundungsfehlern.

 

Bei Blitzen mit Zoomreflektor spielt auch der Leuchtwinkel eine Rolle. Je enger das Licht gebündelt wird, desto weiter kann es leuchten und desto größer wird die Leitzahl. Umgekehrt werden Leuchtweite und Leitzahl kleiner, wenn das Licht durch einen großen Leuchtwinkel auf eine große Fläche verteilt wird.

 

Tipp

Einige Kameras bieten die Möglichkeit, getrennte Belichtungskorrekturen für die Belichtung mit Umgebungslicht und mit Blitzlicht vorzunehmen. Das ist ein faszinierendes Mittel, um den Hintergrund, der vom Umgebungslicht beleuchtet wird, und das Hauptmotiv, das vom Blitzlicht beleuchtet wird, getrennt zu beeinflussen.

Beispiel Porträt. Eine Pluskorrektur für die normale Belichtung stellt sicher, dass der Hintergrund gut sichtbar ins Bild kommt, eine Minuskorrektur sorgt dagegen dafür, dass ein störender Hintergrund im Dunkeln versinkt. In beiden Fällen ist eine leichte Minuskorrektur für die Blitzbelichtung anzuraten, damit sich das Porträt nicht unnatürlich hell vom Hintergrund abhebt.

 

Um das Thema abzurunden: Ist die Leitzahl bekannt, kann man berechnen, wie weit man bei einer bestimmten Blende blitzen kann. Nehmen wir LZ 14, die bei eingebauten Blitzen nicht selten ist, kommen wir bei Blende 5,6 nicht einmal 3 m weit. Das ist nicht berauschend, eher – wie schon erwähnt – „schwach auf der Brust“. Aber um bei einer Gegenlichtaufnahme ein im Schatten liegendes Gesicht oder bei einer Landschaftsaufnahme ein paar Blüten im Vordergrund etwas heller ins Bild zu bringen, reicht LZ 14. Die eben angesprochene Leitzahlrechnung ist natürlich nur noch interessant, um sich die Leistung eines Gerätes vor Augen zu führen. Für die Blitzbelichtungssteuerung in der Praxis ist sie nur noch wichtig, wenn man Kamera und Blitz manuell steuern kann und bestimmte Effekte erzielen möchte.

 

Zurück von der Leitzahl zur Ausstattung der unterschiedlichen Kameratypen im Umfeld „Blitz“.

 

Wie erwähnt liegen die kleinen Reflektoren der fest eingebauten Blitze meist schräg oberhalb des Objektivs – und dessen optische Achse und die Achse des Blitzleuchtwinkels liegen echt zusammen. Das ermöglicht einerseits kleine Kameragehäuse. Andererseits könnte man natürlich auch sagen, dass die kleinen Kameragehäuse geringe Abstände zwischen Objektiv und Blitzreflektor erzwingen – was durchaus Folgen fürs Bild haben kann.

 

Dazu mehr in der nächsten Folge, in der wir uns einige weitere Ausstattungsmerkmale der unterschiedlichen Kameratypen anschauen, um dann über die Live-View-Funktion zum Autofokus und schließlich zur Belichtungssteuerung zu gelangen – und hier die Bildgestaltung mit einzubinden.

 

 

Wussten Sie, ...

... dass man die Leistung für eingebaute Blitze oder Aufsteckgeräte durch die Angabe der Leitzahl (e Text) angibt, dass die Leistung von Studioblitzgeräten dagegen in Joule oder häufig auch in Wattsekunden beziffert wird? Während in Profistudios Blitzgeneratoren zum Einsatz kommen, die mehrere Tausend Joule Leistung bringen (z. B. 6000 J beim Hensel TRIA 6000S), reichen für ein Heimstudio für Porträt- oder Aktaufnahmen kleinere Anlagen aus, wie man sie etwa im Brenner-Katalog von Electra, Elinchrom, Helios oder Multiblitz findet.

 

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