Fish-Eyes – die Welt im Kreis

Fish-Eye-Objektive fallen aus dem „normalen“ Objektivangebot heraus, weshalb wir sie auch nicht unmittelbar nach den Weitwinkel-/Superweitwinkelobjektiven vorgestellt haben, sondern erst jetzt behandeln. Während bei allen bisher besprochenen Objektiven Wert darauf gelegt wird, dass gerade Linien im Motiv im Bild auch gerade wiedergegeben werden, protzen Fischaugen geradezu damit, dass alle geraden Linien, die nicht durch die Bildmitte verlaufen, deutlich nach außen durchgebogen werden! Das soll der Sehweise eines Fisches entsprechen, der nah an der Wasseroberfläche schwimmt und in einem schmalen Bach beide Ufer gleichzeitig sehen kann. Man unterscheidet die kreisförmig zeichnenden und die formatfüllenden Fish-Eye-Objektive.

 

Die kreisförmig zeichnenden Fish-Eyes weisen nach allen Seiten einen Bildwinkel von 180° auf. Wenn man eine Kamera mit so einem Objektiv nach oben weisend waagrecht auf den Boden legt, bekommt man den ganzen Himmel von Horizont zu Horizont auf das Bild – ebenso wie einen ganzen Innenraum mit Decke und Wänden. So ein Bild ist wegen der durchgebogenen Linien einerseits fremd und gewöhnungsbedürftig, andererseits aber auch ein Hingucker. Dazu trägt natürlich auch bei, dass das Bild kreisförmig ist und in einem schwarzen Umfeld steht. Dieses schwarze Umfeld kann bei der Belichtungsmessung zu Problemen führen, wenn der Belichtungsmesser das ganze Bildfeld erfasst. Es empfiehlt sich daher, ein kleines Messfeld zu nutzen oder auszuprobieren, welche Minuskorrektur eingestellt werden muss, um den schwarzen Bildrand auszugleichen. Außerdem sollte das RAW-Format der Kamera genutzt werden, damit die Belichtung am Rechner problemlos optimiert werden kann.

Etwas gemäßigter wirken die Bilder, die man mit einem formatfüllenden Fish-Eye macht. Diese Variante weist nur über die Formatdiagonale den riesigen Bildwinkel von 180° auf. Auch diese Objektive biegen alle geraden Linien, die nicht durch die Bildmitte verlaufen, nach außen durch. Architekturaufnahmen oder Bilder in Zimmern werden also immer als Fish-Eye-Fotos auffallen. Bei Landschaftsaufnahmen oder bei Fotos von Motiven, die keine geraden Linien aufweisen (etwa die Arena in einem Zirkuszelt) kann es aber durchaus passieren, dass die besondere Entstehung des Bildes nicht sofort ins Auge fällt.

 

Ob kreisförmig zeichnend oder formatfüllend – die Schärfenzone ist bei den Objektiven mit Brennweiten von 7,5 mm bis 15 mm schon bei weit offenen Blenden enorm groß und ab Blende 8 wird alles ab etwa einem Meter Entfernung scharf abgebildet. Bei Aufnahmen mit beiden Fish-Eye-Typen kann es die Bildwirkung stark beeinflussen, die Kamera nach oben oder zu neigen. Hält man sie aufwärts, bekommt man einen riesigen Himmel ins Bild und der Horizont wird nach unten durchgebogen. Neigt man die Kamera dagegen nach unten, wölbt sich der Horizont nach oben, die Welt erscheint tatsächlich als Kugel im Bild und es kommt alles ab dem nahen Vordergrund ins Bild. In diesem Fall kann man es bei formatfüllenden Fish-Eyes vermeiden, dass die eigenen Füße Teil des Bildes werden – bei den kreisförmig zeichnenden Varianten dagegen nicht. Diese verleihen gegebenenfalls auch noch Busen oder Bauch eine Bild bestimmende Bedeutung.

 

Grandiose Landschaften reizen, das Fish-Eye zu nutzen, um alles in ein Bild zu bekommen. Dabei sollte aber das Sucher- und/oder Monitorbild genau betrachtet werden. Nahes kommt sehr groß ins Bild, in der Ferne liegende Teile des Motivs werden nur klein wiedergegeben – und die imposante Bergkette am Horizont schrumpft ins Hügelige. Fish-Eye-Aufnahmen sind übrigens nicht nur Besitzern von D-SLR-Kameras vorbehalten. Dank entsprechender Objektivvorsätze kann man auch All-in-One- und Kompaktkameras entsprechend aufmotzen.

 

Wussten Sie, ...

...dass es ein Fish-Eye-Objektiv gab, das sogar einen größeren Bildwinkel als 180° aufwies? Das Nikon Fisheye-Nikkor 2,8/6 mm überblickte 220° und konnte damit Objekte hinter dem Fotografen aufnehmen. Das Objektiv hatte einen Durchmesser von 23,6 cm, wog 5,2 kg und degradierte auch große Profikameras der F-Serie zu Anhängseln.

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