Die geringen Abmessungen sind schuld daran, dass nur noch wenige Kompaktkameras (sehr wenige) einen optischen Sucher aufweisen. Optischer Sucher bedeutet, dass ein kleines „Fernrohr“ in die Kamera eingebaut ist, durch das man das Motiv anvisieren kann. Beim Zoomsucher wird der Blickwinkel des Fernrohrs an den Bildwinkel angepasst – zumindest einigermaßen. Der Unterschied zwischen gesehenem und aufgenommenem Bild ist oft groß.
Hinzu kommt das Problem der Parallaxe, das nur bei aufwendigen Sucherausführungen über einen Parallaxenausgleich gelöst wird. Worum geht es dabei? Da Sucher und Objektiv an unterschiedlichen Stellen im Kameragehäuse sitzen, liegen auch die optischen Achsen auseinander. Sucher und Objektiv „sehen“ einen unterschiedlichen Ausschnitt des Motivs („Parallaxe“). Das fällt bei großen Entfernungen nur wenig ins Gewicht, wird aber sehr deutlich und störend, wenn man über kürzere Entfernungen fotografieren will. Beim Parallaxenausgleich wird der optische Sucher ein wenig gedreht oder die Bildfeldbegrenzung (ein Rahmen) im Sucher verschoben, um das Sucherbild an das Bild anzupassen, das vom Objektiv gesehen wird.
Für einige Kameras gibt es Aufstecksucher, die als optische Sucher oder elektronische Sucher ausgeführt sind. Das ist recht praktisch, da das Kameragehäuse kleingehalten werden kann und der kleine Sucher, für den immer ein Platz in der Foto- oder Hemdentasche zu finden ist, nur eingesetzt wird, wenn man ihn braucht.
Der optische Sucher ist bei Kompaktkameras durch den Monitor ersetzt worden, der das Bild so zeigt, wie der Sensor es vom Objektiv geliefert bekommt. Dazu später mehr.


Eine besondere Variante des optischen Suchers ist der Messsucher, wie er z. B. in der Leica M8 zum Einsatz kommt, die damit einen Nischenplatz besetzt. (Eine zweite Digital- Messsucherkamera ist die Epson R-D1x, die aber im Sommer 2009 nur in Japan angeboten wird.) Da der Blickwinkel des Suchers immer gleich groß ist, zeigen Rahmen die Bildausschnitte für bestimmte Brennweiten an. Bei langen Brennweiten sind diese Ausschnitte naturgemäß klein und das Motiv lässt sich schwer kontrollieren.
Beim sogenannten Messsucher ist in den eigentlichen Sucher ein teildurchlässiger Spiegel eingebaut, durch den man das Motiv direkt sieht. Über einen zweiten, drehbaren Spiegel, der ein paar Zentimeter neben dem Sucher hinter einem eigenen Fenster sitzt, wird ein zweites Bild des Motivs auf den teildurchlässigen Spiegel gelenkt. Ist die Entfernung nicht richtig eingestellt, sind die beiden Bilder nicht deckungsgleich. Durch Drehen am Fokussierring des Objektivs wird auch der bewegliche Spiegel ein wenig gedreht und „sein“ Bild auf dem Spiegel verschiebt sich. Hat man auf diese Weise beide Bilder zur Deckung gebracht, stimmt die Scharfstellung. Das geht umso schneller, je mehr Übung man hat. Der Vorteil ist, dass man sehr präzise fokussieren kann, auch bei wenig Licht. Der Nachteil ist, dass Motive mit einer gleichmäßigen Struktur nur schlecht zu erfassen sind.
Bei den Kompaktkameras wurde der Sucher bereits weitgehend durch den Monitor ersetzt. Dem Reflexsucher der D-SLR-Kamera steht dieses Schicksal noch bevor – aber bis dahin werden noch viele Bilder auf Festplatten oder CDs landen, wo sie Gefahr laufen, von späteren Generationen nur noch als Datenmüll oder gar nicht mehr vorgefunden zu werden. Das führt aber im Moment in die falsche Richtung – schauen wir uns lieber an, wie das Bild in den Sucher einer Spiegelreflexkamera gelangt.
Im Zusammenhang mit der Parallaxe wurde die zweiäugige Spiegelreflexkamera bereits erwähnt. Durch ein Sucherobjektiv fällt Licht auf einen Spiegel, der in einem Winkel von 45° zur optischen Achse steht. Er lenkt das Licht nach oben um, wo es auf eine Mattscheibe fällt. Die Mattscheibe wird von oben betrachtet und zeigt das Bild aufrecht stehend, aber seitenverkehrt. Ein ausklappbarer Lichtschacht sorgt dafür, dass das Bild auf einem hellen Umfeld gut zu sehen ist (manche Probleme wiederholen sich eben) und eine Lupe hilft bei der Unterscheidung zwischen scharf und unscharf. Setzt man einen entsprechenden Sucheraufsatz auf die Kamera, wird das Licht über einen weiteren Spiegel nach hinten umgelenkt und man kann das Bild durch ein Okular aufrecht stehend und seitenrichtig sehen. Das Aufnahmeobjektiv sitzt etwas tiefer und projiziert das Bild kopfstehend und seitenverkehrt in die Filmebene. Der große Vorteil gegenüber einer Messsucherkamera: Da das Sucherobjektiv dieselbe Brennweite hat wie das Aufnahmeobjektiv, sieht man auf der Mattscheibe den Bildausschnitt formatfüllend so, wie er auf den Film gelangt. Allerdings ist das Mattscheibenbild seitenverkehrt und im Nahbereich macht sich die Parallaxe negativ bemerkbar.




„Einäugige Spiegelreflexkamera“ ist nicht unbedingt gleich „einäugige Spiegelreflexkamera“. So sind beispielsweise die legendären Hasselblad-Modelle 500C (1957) oder 500EL (1964) SLRs – aber sie weisen keinen eigenen Verschluss auf, sondern werden mit Zentralverschluss-Objektiven kombiniert. Um große (wenn auch sehr interessante) Umwege und Streifzüge durch die Kamerahistorie zu vermeiden, beschränke ich mich in der Beschreibung der SLR auf jenen Kameratyp, der in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts seinen Siegeszug antrat und in den aktuellen D-SLR-Modellen weiterlebt.
Bei diesen einäugigen Spiegelreflexkameras sind Sucherobjektiv und Aufnahmeobjektiv ein und dasselbe. Um das zu bewerkstelligen, ist zwischen Objektiv und Film- bzw. Sensorebene ein beweglicher Spiegel untergebracht, der im „Suchermodus“ genauso funktioniert wie der feststehende Spiegel einer Zweiäugigen. Das heißt: Er lenkt das vom Objektiv kommende Bild nach oben zu einer Matt- oder Einstellscheibe. Darüber sitzt ein Pentaprisma, das als Glasprisma oder als Spiegelprisma ausgeführt sein kann. Das Glasprisma – ein veritabler Glasklotz – ist aufwendiger in der Herstellung, schwerer und nicht zuletzt teuerer als ein Spiegelprisma und kommt meist in den D-SLR-Modellen ab Mittelklasse zum Einsatz, wo es für ein helleres, klareres Sucherbild sorgt. Im Prisma wird das Bild so gedreht, dass man es beim Blick ins Okular aufrecht stehend und seitenrichtig sieht. Wer einmal versucht hat, mit dem seitenverkehrten Bild im Lichtschacht einer Mittelformatkamera das Motiv ins Bild zu zirkeln oder einem Objekt in Bewegung zu folgen, kann nachvollziehen, wieso das seitenrichtige Bild so oft erwähnt wird.
Das Bild kommt also direkt vom Aufnahmeobjektiv über den Spiegel und Prisma in den Sucher, wo man genau den Bildausschnitt sieht, den das Objektiv erfasst? Ganz stimmt das nicht, da nur wenige Kameras einen 100-%-Sucher aufweisen. Bei den meisten Kameras zeigt der Sucher nur rund 97 % des tatsächlich aufgenommenen Bildes. Dafür gibt es eine „historische Ausrede“: Wenn ein Dia gerahmt wurde, verschwand ein schmaler Streifen am Rand unter dem Rähmchen. Wer also in einem 100-%-Sucher das Motiv bis an den Bildrand durchkomponiert hätte, hätte bei der Projektion ein ungewünscht beschnittenes Motiv gesehen. Da D-SLR-Kameras immer auch Live-View und hier ein 100-%-Bild bieten, rückt das Problem des 97-oderso-%- Suchers immer mehr in den Hintergrund.
Es gibt noch einen Unterschied zwischen dem letztendlich aufgenommenen Bild und dem Bild im Sucher einer einäugigen Spiegelreflexkamera und auf dem Monitor einer Kamera – das schließt auch Kompakt- und All-on-One-Kameras sowie die NGC-Modelle ein (siehe links außen). Da die Blende im Objektiv ganz geöffnet ist, während man das Bild im Sucher oder auf dem Monitor begutachtet und komponiert, sieht man das Motiv immer in der schmalstmöglichen Schärfenzone. Im Sucher hebt sich das Hauptmotiv schön vom unscharf verschwimmenden Hintergrund ab – im Bild, das mit kleinerer Blende gemacht wurde, geht es im Wirrwarr des Hintergrunds unter. Wenn die Kamera entsprechend ausgestattet ist, sollte also immer wieder von der Abblendmöglichkeit Gebrauch gemacht werden. Gegebenenfalls hilft natürlich ein Blick auf das aufgenommene Bild auf dem Monitor (und notfalls die Wiederholung der Aufnahme).
Für die Aufnahme klappt der Spiegel nach oben und das Licht fällt auf den Verschluss. Der öffnet sich für die nötige Zeit (dazu kommen wir später) und das Licht fällt auf den Sensor. Danach klappt der Spiegel wieder in die Ausgangsposition zurück. Dieser „Rückschwingspiegel“ ist heute selbstverständlich. Bis Pentax ihn 1954 in Serie verbaute, war es üblich, dass der Spiegel manuell nach unten geklappt werden musste oder dass er in einer Art Halbautomatik beim Verschlussspannen oder beim Filmtransport (das gab es alles mal!) in die untere Position gebracht wurde.
Die Bewegung des Spiegels ist nicht nur von Bedeutung, um zwischen „Suchermodus“ und „Aufnahmemodus“ wechseln zu können. Sie kann auch Auswirkungen auf die Bildqualität haben. Obwohl die Bewegung gedämpft wird und der Spiegel nicht ungebremst gegen den Rahmen der Einstellscheibe „kracht“, führt die Bewegung des Spiegels zu mehr oder weniger deutlich ausgeprägten Vibrationen des Gehäuses („Spiegelschlag“). Diese Schwingungen können besonders bei Aufnahmen mit Makroobjektiven oder langbrennweitigen Objektiven zu Verwacklungen führen – besonders dann, wenn man mit längeren Verschlusszeiten arbeitet. Ein Stativ kann dann zwar Bewegungen der Kamera und/oder des Objektivs unterdrücken, nicht aber das Vibrieren des Gehäuses.
Um dieses Problem zu umgehen, bieten einige Kameras die Möglichkeit der Spiegelvorauslösung (Mirror-up-Funktion). Der Spiegel wird schon vor der Aufnahme hochgeklappt (Belichtung und Schärfe müssen natürlich gespeichert sein) und bei der Belichtung sind alle Vibrationen abgeklungen. Eine indirekte Spiegelvorauslösung bieten einige Kameras im Zusammenhang mit dem Selbstauslöser. Der Spiegel klappt hoch, wenn man den Auslöser betätigt und der Verschlussablauf wird nach der vorgegebenen Zeit gestartet. Auch das hilft zu unverwackelten Aufnahmen mit großen Abbildungsmaßstäben. Wenn dagegen Spiegelbewegung und Belichtung nach dem Selbstauslöserablauf erfolgen, ist das nur interessant, um Vibrationen zu eliminieren, die durch den Druck auf den Auslöser entstehen können.
Einige KB-SLR-Kameras – die bekanntesten dürften die Nikon F-Modelle bis zur F5 und die Canon F-1/ F-1 New sein – bieten Wechselsucher und damit die Möglichkeit, z. B. Lupensucher für besonders kniffelige Scharfstellung zu nutzen oder Sportsucher einzusetzen, wenn man mit dem Auge nicht nah ans Sucherokular herankommt. Im Digitalzeitalter gibt es diese Möglichkeit nicht mehr, aber Live-View, schwenk- und drehbare Monitore bringen die Vorteile der Wechselsucher wieder ins Spiel.
… dass Schiebezooms zu einer aussterbenden Gattung geworden sind? Ihr Vorteil ist, dass man manuelle Fokussierung (durch Drehen) und Brennweitenwahl (durch Schieben) an einem einzigen Ring vornehmen kann. Das geht schneller als die Arbeit mit separaten Fokus- und Zoomringen. Da die Scharfstellung heutzutage in der Regel vom Autofokus übernommen wird, ist es kein „Geschwindigkeitsnachteil“ mehr, wenn man an einem Ring dreht, um zu zoomen – aber ein Vorteil, wenn es um die Genauigkeit der Einstellung geht.
Wenn man die eigenen Urlaubsbilder anschaut oder welche von Freunden gezeigt bekommt, fällt eines eigentlich gar nicht auf, weil es selbstverständlich erscheint: Die allermeisten Bilder sind Querformate. Und es kommt noch etwas hinzu. Mit der Formatwahl der APS-Kameras rückten Panoramaaufnahmen ins Interesse der Fotografinnen und Fotografen, und die Möglichkeiten der Digitalfotografie unterstützten diesen Trend und tun es immer noch. Warum also dem Hang zum Querformat oder sogar zum überbreiten Querformat (Panorama) nicht auch folgen, wenn man ein CeWe Fotobuch gestaltet? CeWe bietet das sehr interessante Fotobuchformat A4 quer und damit die Möglichkeit, die querformatigen Bilder und Panoramaaufnahmen so zu präsentieren, wie sie am besten wirken: richtig breit.
… dass Canon eine Reihe von SLR-Kameras im Angebot hatte, bei denen ein teildurchlässiger Spiegel feststehend montiert war, darunter auch die EOS-Modelle RT (1989) und 1N RS (1995). Das hatte den Vorteil, dass das Sucherbild auch während der Belichtung zur Verfügung stand und schnelle Serien möglich wurden (und natürlich, dass der Spiegelschlag entfiel). Allerdings dürfen auch die Nachteile nicht übergangen werden. Da nur etwa 2/3 des einfallenden Lichts zum Film gelangten, musste etwas länger bzw. mit etwas weiter geöffneter Blende belichtet oder ein höher empfindlicher Film verwendet werden. Und da nur etwa 1/3 des einfallenden Lichtes in den Sucher gelangte, war der dunkler als gewohnt.
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