Erschienen in: Zeitschrift DOCMA (Ausgabe 31) - Workshop / Autorin: Eva Ruhland
Ein illustrierter Blick in die Vergangenheit – verewigen Sie Ihre historischen Bilder in einem Fotobuch und lassen Sie damit Geschichte lebendig werden. Am Beispiel einer Stadtchronik zeigen wir Ihnen, wie Sie ein besonders schönes Geschichts(foto)buch gestalten.
Alte Fotos sind viel zu schade, um in der Schuhschachtel oder im vergilbten Fotoalbum zu versauern – als Bestandteil einer historischen Dokumentation in Form eines Fotobuchs verhelfen Sie den betagten Aufnahmen zu neuen Ehren und setzen sie in einen völlig neuen Kontext. Neben dem CEWE Fotobucheditor stehen Ihnen das Internet und Google Earth bei Ihrer historischen Exkursion zur Seite.
Als Thema für Ihr historisches Fotobuch eignet sich neben einer Stadt- oder Dorfchronik natürlich auch die Geschichte Ihrer Familie, die Historie eines Vereins oder etwa die Vergangenheit Ihres liebsten Urlaubsorts. Wenn Sie nicht über eigenes Archivmaterial verfügen, können Sie im Internet nach historischen Fotos, Karten oder sonstigen Aufzeichnungen suchen, und dieses Material für Ihr Fotobuch verwenden.
Wenn die gewünschten Aufnahmen als Papierabzüge vorliegen, steht zunächst einmal das Scannen der Vorlagen an. Tipp: Vergilbte und/oder ausgefranste Bildränder sollten Sie im Bildbearbeitungsprogramm nicht wegschneiden – solche Ränder verstärken den historischen Eindruck der Fotosammlung und verleihen den Buchseiten das „gewisse Etwas“. Sollten Sie nicht über einen Scanner verfügen, oder fehlt es Ihnen schlicht an der Zeit zum Einscannen der Vorlagen, nutzen Sie einen Scanservice. Professionelle Dienstleister wie zum Beispiel www.pafscan.de veranschlagen pro Abzug/Dia/Negativ je nach Qualität zwischen 20 und 50 Cent pro Bild.
Für die illustrierte Stadtchronik im nachfolgenden Beispiel haben wir den Fotoeditor von CEWE (www.cewe.de) verwendet. Auf den Assistenten haben wir aus Gründen der freien Gestaltungsmöglichkeiten verzichtet. Um ein spannendes Fotobuch auf die Beine zu stellen, haben wir Satellitenbilder von Google Earth, interessante Gegenüberstellungen, grosszügige Doppelseiten und professionelle Layouttechniken verwendet, die ihren Ursprung im Buch- und Zeitschriftendesign haben.
Himmlisch: Ein Blick aus luftiger Höhe
Wann immer es in einem Fotobuch um ein geografisches Thema geht – im Beispiel ein Dorf in Hessen – bietet sich zur Illustration eine Satellitenaufnahme aus dem reichhaltigen Fundus von Google Earth an. Unter http://earth.google.com/intl/ch/ laden Sie das komfortable Tool herunter. Nach der Installation geben Sie in das Suchfeld links oben den Namen des gesuchten Orts ein – in unserem Beispiel „Rüddingshausen“. Am Ziel angekommen, blenden Sie den Ortsnamen durch Entfernen des Häkchens im Listenfeld links oben aus und fertigen mit der Taste [Druck] einen Screenshot an, den Sie in Photoshop per [Strg]+[V] als neues Bild einfügen.
Titelbild: Satellitenaufnahme vorbereiten
In Photoshop schneiden Sie den Bildschirmschnappschuss per „Bild“, „Freistellen“ so zu, dass es eine Umschlagseite füllt. Eine Version belassen Sie in den ursprünglichen Farben, während Sie die Kopie für die Rückseite per „Bild“, „Anpassungen“, „Farbton/Sättigung“ und Erhöhen der „Helligkeit“ aufhellen. Dann verwandeln Sie das Bild per „Bild“, „Schwarz-Weiss“ bei aktivierter Checkbox „Farbton“ mit den Werten 42° für „Helligkeit“ und 20% „Sättigung“ in eine dezente Hintergrundgrafik mit Sepiatönung.
Einbandgestaltung: Die Titelseite montieren
Im Fotobucheditor wählen Sie in der Ordnerübersicht „Bilder“, „Lokal“ das Verzeichnis, in dem sich die vorbereiteten Satellitenaufnahmen befinden. Führen Sie einen Rechtsklick auf das vollfarbige Bild aus und klicken Sie im Kontextmenü auf „Bild als Hintergrund rechts“. Die dezente Sepiaversion machen Sie zum „Bild als Hintergrund links“. Dann ziehen Sie mit dem Werkzeug „Neuer Text“ einen Textrahmen im oberen Drittel der rechten Seite auf und geben den Buchtitel und –untertitel ein. Für das Wort „Damals“ haben wir mit der „Openclassic“ eine klassische Frakturschrift gewählt, während die serifenlose „Expressway“ das „Heute“ am besten illustriert.
Gegenüberstellung: Alt & Neu – Damals & Heute.
In den meisten Fotoarchiven finden sich ähnliche Szenen aus Vergangenheit und Gegenwart – diese lassen sich ideal für eine kontrastreiche Gegenüberstellung für die Titelseite und auch für die Innenseiten des Fotobuchs verwenden. Im Beispiel wird auf dem Titel links unten ein Umzug des Gesangvereins aus den Dreissigerjahren des vergangenen Jahrhunderts dargestellt, während rechts daneben eine Blaskapelle aus unseren Tagen ihren Weg durch das Dorf bahnt. Tipp: Unregelmässige Bildränder können Sie in Photoshop vor einen transparenten Hintergrund stellen und das Bild im PNG-Format speichern – der Fotobucheditor kann die Transparenz von PNG-Dateien korrekt interpretieren.
Klappentext: Die Rückseite gestalten
Für die Bebilderung der Rückseite verwenden Sie eine Layoutvorlage. Klicken Sie links auf die Registerkarte „Layout“, gefolgt von „Seitenlayout“ und ziehen Sie die Vorlage mit vier Bildern am rechten Rand über die Rückseite des Bucheinbands. Dann wechseln Sie zurück zur Registerkarte „Bilder“ und ziehen vier bezeichnende Aufnahmen in die vorgefertigten Rahmen. Anschliessend klicken Sie einen der Bildrahmen an und klicken in der Werkzeugleiste auf das Icon „Rahmen und Schatten bearbeiten“ (Symbol mit vier roten Punkten und einer Zange). Geben Sie eine „Breite“ von „20“ vor und wählen Sie als „Farbe“ Weiss. Indem Sie die Checkbox „Alle Bilder auf dieser Seite“ aktivieren, erhalten nun alle vier Abbildungen einen einheitlichen, weissen Rahmen.
Gegenüberstellung über mehrere Doppelseiten I
Eine Gegenüberstellung alter und neuer Bilder funktioniert sowohl direkt (wie auf dem Titelbild) als auch indirekt über mehrere Doppelseiten. Für die Bildstrecke „Menschen damals“ – die Überschrift wieder in der passenden Frakturschrift formatiert – wurde eine historische Aufnahme im Querformat mit der Funktion „Bild als Hintergrund auf beiden Seiten“ als Hintergrundbild für die Doppelseite definiert. Die drei Bilder im unteren Drittel wurden klassisch symmetrisch angeordnet, um der ganzen Doppelseite einen „historischen Look“ zu verleihen. Für den erklärenden Text rechts oben wurde zugunsten der Lesbarkeit auf die Frakturschrift verzichtet.
Gegenüberstellung über mehrere Doppelseiten II
Gleich nach der „historischen“ Doppelseite folgt im Fotobuch die „moderne“ Variante – ebenfalls mit einem beide Seiten ausfüllenden Hintergrundbild, jedoch mit deutlich dynamischerem Layout mit verschiedenen Bildgrössen und spannender Anordnung der einzelnen Fotos. Das Textfeld rechts oben muss aufgrund des unruhigen Hintergrunds weiss gefüllt werden – dazu verwenden Sie die Funktion „Hintergrundfarbe des Textfelds festlegen“ in der Werkzeugleiste rechts neben Schriftart und –farbe.
Gross und klein: Die Bild-im-Bild-Variante
Ein in Zeitschriften und Büchern gerne genutzter Layout-Kniff ist die Bild-im-Bild-Variante. Dabei werden zwei ähnlich geartete Fotos gemeinsam präsentiert – ein Bild im Grossformat, und das zweite Bild rechts oder links unten „eingeklinkt“ mit kleineren Abmessungen. Auf diese Weise gelingen sehr schöne Gegenüberstellungen wie der Wandel der Mode und der Lebenseinstellung im Laufe der Zeit – besonders gut zu sehen auf der linken Seite, die den fröhlichen Zeitgeist der späten 1950er Jahre mit dem steifen Biedermeier-Ambiente Mitte des vorvergangenen Jahrhunderts vergleicht. Tipp: Einheitliche Bildrahmen in einem zarten Gelbton verleihen der Doppelseite ein homogenes Erscheinungsbild.
Zeitreise: Eine bebilderte Timeline
Timelines sind ein optischer Leckerbissen und ohne grosse Mühe auch im Fotoeditor realisierbar. Als Grundlage für die visuelle Zeitreise dient wieder ein Hintergrundbild, das über die gesamte Doppelseite läuft. Als Layoutvorlage für die Timeline dient die im Register „Seitenlayout“, „4 Bilder pro Seite“ ziemlich weit unten zu findende Vorlage mit den drei kleinen Bildern samt Bildunterschrift am unteren Rand. Ziehen Sie die Bilder in ihrer chronologischen Reihenfolge in die Raumen und tippen Sie darunter die entsprechende Jahreszahl ein.
Pfeilschnell: Sonderzeichen einbauen
Da es in der Clipart-Bibliothek von CEWE leider keine Pfeile gibt, behelfen Sie sich mit einem entsprechenden Symbol aus der Schriftart „Zapf Dingbats“ oder „Wingdings“. Der entsprechende Zeichencode für Zapf Dingbats ist ALT+0225 (die Zahlen auf dem Ziffernblock der Tastatur eingeben). Windows-Anwender können auch das Programm „Charmap“ starten und sich in der Zeichentabelle auf die Suche nach dem passenden Pfeil machen. Sobald der Pfeil in der korrekten Grösse (96 bis 120 Punkt) eingebaut wurde, klicken Sie in der Werkzeugleiste auf das Icon mit dem „T“ und dem Lineal („Weitere Texteinstellungen“) und verleihen dem Pfeil im Fenster „Eigenschaften des Textfelds“ mit „Farbige Buchstabenränder aktivieren“ einen 10 Pixel breiten, schwarzen Rand.
Timeline-Doppelseite fertigstellen
Sobald Sie die linke Seite fertig gebastelt haben, können Sie das Layout mit einem Klick auf das Icon „Layout speichern“ (Symbol: Seite mit Diskettensymbol) zu Ihrer Vorlagendatenbank hinzufügen. Es erscheint dann als neue Miniatur mit einem grünen Stern im linken Vorlagenbereich und kann per Klickziehen auf die rechte Seite angewendet werden. Leider bringt der Fotoeditor hier und da Zeichenformatierungen und Positionen durcheinander, sodass hier manuelle Nacharbeit vonnöten ist. Tipp: Wenn die schwarze Schrift vor dunklen Passagen des Hintergrundbilds „absäuft“, versehen Sie den Text wie zuvor den Zeitlinienpfeil mit einer dünnen, ca. 2 Pixel breiten, weissen Umrandung.
Informationsfluss: Texte aus dem Internet
Zu nahezu jeder schweizer Gemeinde finden Sie reichhaltige Informationen im Internet. Googeln Sie einfach nach dem Namen der Gemeinde, um entweder auf der offiziellen Homepage des Orts oder in der Wikipedia nach verwertbaren Informationen zu suchen. Um Textpassagen vom Webbrowser in einen Textrahmen des Fotoeditors zu übertragen, markieren Sie den Text im Browser und befördern Sie ihn mit [Strg]+[C] in die Zwischenablage. Im Editor fügen Sie den Text mit [Strg]+[V] in den Rahmen ein. Tipp: Der Editor interpretiert auch Textfarben und Unterstreichungen (z. B. von Links). Um diese zu entfernen, markieren Sie den gesamten Text mit [Strg]+[A], wählen Sie die Textfarbe Schwarz und drücken Sie zwei Mal [Strg]+[U], um alle Unterstreichungen zu entfernen.
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