Erschienen in: Zeitschrift DOCMA (Ausgabe 29) - Workshop / Autorin: Eva Ruhland

 

Spannungsbögen

Fotobücher mit Hard-, Soft oder Leinencover sind im Kommen. Mit aktueller Fotobuch-Software können fortgeschrittene Bildgestalter Layouts entwerfen, die durchaus professionellen Ansprüchen genügen.

 

Fotobücher haben sich in den letzten Jahren zu einer ernsthaften Publikationsform für (semi) professionelle Fotografen, Künstler und Bildgestalter gemausert. Die preiswerten und über das Internet bestellbaren Printerzeugnisse ermöglichen Ihnen individuelle Bucheditionen in vielen unterschiedlichen Formaten für kleinere Auflagen ab einem Exemplar. Dabei liegt die Produktionszeit in der Regel bei nur wenigen Arbeitstagen. Neben diesen praktischen Aspekten besticht vor allem die Druckqualität. Sie kann auf Bilderdruckpapier mit Ergebnissen des Offsetdrucks mithalten und übersteigt diese sogar deutlich, wenn man sein Buch auf Fotopapier ausgeben lässt.

 

Fotobücher sind keine neue Erfindung. Neu ist nur ihre kostengünstige Produktion, die sie für jedermann erschwinglich macht. Das klassische in höherer Auflage gedruckte und gebundene Fotobuch steht in einer langen Tradition, die in der Frühzeit der Fotografie ihren Anfang fand. Hier ging es in erster Linie darum, Themen aus Gesellschaft und Wissenschaft für ein breiteres Publikum sichtbar zu machen. Erst sehr viel später entdeckten Künstler das Medium zur Präsentation ihrer Arbeiten. Inzwischen ist das Einsatzgebiet fast unüberschaubar breit geworden. Es beginnt beim privaten Ereignis, geht über die thematische Dokumentation endet als Medium für den geschäftlichen Einsatz.

 

Doppelseitige Aufmacherseite

Für eine Aufmacherseite, etwa zu einem Reise- oder Landschaftsbuch, legen Sie das Foto im Vollformat über der gesamten Doppelseite an. Damit ist das Bild rundum „abfallend“ und zeigt im Fotobuch keine weissen Ränder. Stimmen Auflösung und Bildgrösse gemäss der vorangegangenen Photoshop-Bearbeitung, definieren Sie dabei das Foto schlichtweg als Hintergrundbild. Wie Sie diesen Befehl in der Praxis umsetzen, erfahren Sie im nächsten Abschnitt. Überschrift und Beschreibungstext platzieren Sie dem Motiv entsprechend in einem homogenen Bildbereich. Ergebnis: maximale Bildwirkung, wobei Text und Bild eine Einheit darstellen.

 

Seiten im Goldenen Schnitt anlegen

Das Bild läuft über den Bund und bedeckt den Anteil der rechten Seite im Mass des Goldenen Schnitts von 1 zu 1,6. Der Text erhält dadurch seinen eigenen Bereich – ideal bei unruhigen Motiven, wo die Schrift auf einem Bild nicht gut lesbar ist. Ob klassische Serifenschrift wie im Beispiel oben oder eine Schmuckschrift wie hier zum Titel „Salz“, alle auf Ihrem Rechner installierten Schriftarten stehen auch im CEWE-Editor zur Verfügung. Als Layoutvariante nach Art von Bildbänden verzichten Sie gegebenenfalls auf den Titel, um dem Bild selbst mehr Gewicht zu verleihen.

 

Text am unteren Rand platzieren

Eine eher konservative Variante, die sich jedoch ideal für querformatige Motive ohne homogene Bereiche zur Textintegration eignet: Platzieren Sie den zentralen Titel unten auf der prominenten rechten Seite und den Erklärungstext auf der linken Seite. Per Textwerkzeug können Sie die Textfarbe beliebig gestalten. Damit die Textfarbe ideal mit dem Foto korrespondiert, greifen Sie nach Bedarf bereits in Photoshop per Pipette-Werkzeug den gewünschten Farbwert des Bilds auf und übertragen dann die RGB-Werte der aktuellen Vordergrundfarbe auf die Textfarbe.

 

Layout kontra Foto gewichten

Jede Doppelseite fordert die Entscheidung, welchen Stellenwert Sie dem Bild gegenüber dem Layout zugestehen. In diesem Bildbeispiel konzentriert sich das Foto auf die rechte Einzelseite, deren Bildausschnitt Sie frei verschieben können, während das Layout das Aussehen der linken Seite bestimmt und dadurch an Dominanz gewinnt. Die Hintergrundfarbe bestimmen Sie standardmässig im CEWE-Fotoeditor per Karteireiter „Design > Hintergrund“. Fehlt der gewünschte Farbton in den Vorgaben, können Sie ihn mit dem „Fülleimer“- Werkzeug für den Texthintergrund dennoch auf die gesamte Seite ausdehnen.

 

1. Praxis mit dem CEWE-Editor

Nach dem Start des CEWE-Fotoeditors wählen Sie Ihr bevorzugtes Fotobuch-Format. Bedenken Sie bei der Entscheidung die Grösse und Aufösung Ihrer Fotos sowie die gewünschte Bildanzahl pro Seite. Im folgenden Dialogfenster entscheiden Sie sich, ob Sie das „Fotobuch ohne Assistent erstellen“ wollen und damit die einzelnen Buchseiten ganz individuell gestalten, oder ob Sie lieber die Option „Assistent verwenden“ anklicken, um mit einer gehörigen Anzahl von Bildern ein Fotobuch im Schnellverfahren zu erzeugen. Die Verwendung des Assistenten eignet sich generell eher für zusammenhängende Fotoserien – etwa von einem Fest oder einer Reise.

 

2. Bilder per Assistent laden

Wenn Sie den „Assistenten“ verwenden, müssen Sie einige Grundregeln beachten, damit die Verteilung der Bilder pro Seite nicht zum willkürlichen Glücksspiel gerät: Rechnen Sie zunächst die gewünschte Seitenanzahl mit der bevorzugten Bildanzahl pro Seite durch. Bei 26 Seiten mit je zwei Bildern benötigen Sie 52 Bilder. Diese banale Hochrechnung verhilft dem stur rechnen- den Assistenten (meist) zu einer klaren Verteilung auf den einzelnen Fotoseiten. Wünschen Sie eine bestimmte Abfolge der Bilder im Buch, sortieren und nummerieren Sie diese zuvor exakt – etwa nach dem Schema 001_Mallorca, 002_Mallorca – Photoshop-User verwenden dazu die Bridge.

 

3. Layoutregeln bestimmen

Per Karteireiter „Einband“ legen Sie die Optionen für das Buchcover fest. Bei „Leinen- oder Ledereinband“ können Sie auf Fotos verzichten, mit „Heft“ werden doppelseitige Bilder mittig beschnitten, Hard- und Softcover gestatten die freieste Gestaltung. Mit dem „Hintergrund“ wählen Sie ein durchgängiges Hintergrundmuster oder eine Hintergrundfarbe für das gesamte Buch. Per „Layout“ äussern Sie Ihren Gestaltungswunsch. Am verlässlichsten scheint dabei die Option „Möglichst viel Fläche mit Bildern belegen“. Sie können auch mehrere Optionen gemeinsam auswählen.

 

4. Bildfolge festlegen

Ideal für Fotos, die bei einem bestimmten Ereignis aufgenommen wurden, eignen sich in der Registerkarte „Gruppierung“ die ersten beiden Optionen. Hier sortiert der „Assistent“ vorwiegend nach den Metadaten der Digitalfotos, wie etwa Aufnahmedatum und -uhrzeit. Haben Sie Ihre Fotos aber bereits nach Dateinamen kategorisiert, wählen Sie die dritte Möglichkeit mit „Angabe nach Dateiname“. Die Optionen im Karteireiter „Automatische Bildauswahl“ aktivieren Sie am besten nur dann, wenn das entsprechende Auswahlkriterium für Ihre Fotos zutrifft.

 

5. Feintuning im Fotoeditor

Sobald Sie auf die Schaltfläche „Fotobuch erstellen“ klicken, errechnet der „Assistent“ den Layoutvorschlag. Haben Sie Ihre Bilder zuvor in einem Bildbearbeitungsprogramm korrigiert, deaktivieren Sie im folgenden Dialogfenster die „automatische Bildkorrektur“. Die Buchseiten werden jetzt im Fotoeditor angezeigt und können nach Bedarf verändert werden. Speichern Sie Ihr Projekt am besten zunächst per Klick auf das Diskettensymbol mit Stern rechts unten. Um ein Motiv auszutauschen, ziehen Sie die gewünschte Miniatur aus dem „Aktuellen Verzeichnis“ auf einen Bildrahmen.

 

6. Fotos und Bildgrössen ändern

Neben den Dateiformaten TIFF und JPEG kann der Editor auch PNG verarbeiten – eine ideale Möglichkeit, um freigestellte Motive auf transparentem Hintergrund zu integrieren. Zwar finden Sie in der Registerkarte „Design“ diverse Cliparts, doch sind persönlichen Gadgets meist viel stilvoller. Um ein Foto anders zu positionieren, bewegen Sie den gelben Auswahlrahmen. Mit den Anfassern verändern Sie die Bildgrösse oder drehen das Bild. Den Bildausschnitt verändern Sie, indem Sie das Foto mit gedrückter Maustaste innerhalb des Rahmens ziehen.

 

7. Texte hinzufügen

Per Klick auf das Textwerkzeug in der Werkzeugleiste erstellt der Editor einen Textrahmen, in den Sie Ihre Eingabe tippen können. Schriftart, -grösse, -farbe, -ausrichtung und den Hintergrund der Textbox bestimmen Sie nach Geschmack. Vermissen Sie allerdings raffinierte Ebenenstile wie weiche Schatten, dann legen Sie Bild und Text zuvor als Bildmontage in Photoshop an. Um Platz für Ihren Text zu schaffen, können Sie kurzerhand das Layout ändern. Dazu wählen Sie im Menü „Layout“ die gewünschte Anzahl der Bilder pro Seite und ziehen die Vorlage auf die betreffende Seite.

 

8. Hintergrundfarbe und -bild

Weitere Optionen zum Anordnen eines ausgewählten Bildes erhalten Sie bei Klick mit der rechten Maustaste (Mac: Ctrl-Taste). Unter „Weitere Bild-Einstellungen“ können Sie ein Foto als abfallendes Hintergrundbild definieren, das sich über eine oder beide Seiten erstreckt. Im Menü „Design“ stehen Hintergrundfarben und -muster zur Verfügung, die Sie auf die gewünschte Seite ziehen können. Mit „mehr herunterladen“ ergänzen sie das Spektrum per Download. Die Kombination von „Assistent“ und manueller Korrektur bietet Ihnen endlose Gestaltungsmöglichkeiten.

 

 

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